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Vegane iPad Hülle: Zwei Materialien, die man darin nicht vermutet

Geöffnete vegane iPad Hülle ANGUS in Königsblau: hellgrauer Pflanzenfilz, Kartenfach und Apple Pencil in seiner Lasche

Das eine kommt aus einer Ölmühle in Südeuropa. Das andere beginnt als Zucker, den Bakterien vergären – derselbe Vorgang, der aus Milch Joghurt macht. Zwei Materialien, die man in einer iPad Hülle nicht vermutet.

Wie sie entstehen, warum die Oberfläche so aussieht, wie sie aussieht, und was der Filz darin eigentlich leistet: eine Materialkunde aus der Hamburger Werkstatt.

Geöffnete vegane iPad Hülle ANGUS in Königsblau ohne Inhalt: hellgrauer Pflanzenfilz als Innenfutter, aufgenähtes Kartenfach und Apple Pencil in seiner Lasche
Infografik in drei Schritten: Aus Olivenabfall der Olivenölproduktion wird über die Verarbeitung das vegane Außenmaterial Oleatex für Taschen und Hüllen

Wo bei Taschen und Hüllen überall Tier drinsteckt

Eine Hülle besteht nicht aus einem Material, sondern aus einem halben Dutzend: Außenseite, Futter, Garn, Reißverschlussband, Klebstoff, manchmal eine Einlage. Der offensichtliche Punkt ist die Außenseite. Leder ist Leder, das weiß jeder. Weniger bekannt sind die anderen Stellen:

  • Das Futter. Wollfilz ist ein Naturmaterial vom Schaf. Ein hervorragendes – aber eben tierisch.
  • Der Klebstoff. Klassische Leime in der Lederverarbeitung waren jahrzehntelang Knochen- oder Hautleime. Heute sind die meisten synthetisch, aber „meist" ist keine Zusicherung.
  • Das Garn. Nähgarn ist heute fast immer Polyester. Bei hochwertigen Lederwaren findet man aber auch gewachstes Leinengarn – und das Wachs kann Bienenwachs sein.
  • Die Ausrüstung. Manche Textilien werden mit Mitteln behandelt, die tierische Fette enthalten. Deklariert wird das nirgends.

Wer eine Hülle ohne tierische Bestandteile bauen will, muss also nicht ein Material ersetzen, sondern eine ganze Kette prüfen. Das war der aufwendige Teil: nicht die Entscheidung für ein Material, sondern die Klärung jeder einzelnen Position.

Saffiano: die Prägung, die das Licht bricht

Die Oberfläche unserer veganen Hülle trägt eine Saffiano-Struktur. Der Name taucht heute überall auf, aber die wenigsten wissen, woher er kommt.

Saffiano ist keine Lederart, sondern ein Prägemuster: feine, sich kreuzende Diagonallinien, die unter Druck und Hitze in die Oberfläche gepresst werden. Das Verfahren stammt aus der italienischen Lederverarbeitung und ist über hundert Jahre alt. Der Zweck war nie Dekoration – die Kreuzprägung macht die Oberfläche widerstandsfähiger gegen Kratzer und Abrieb, weil kleine Beschädigungen im Muster untergehen statt aufzufallen.

Ein zweiter Effekt kommt dazu, und der ist optisch: Eine glatte Fläche spiegelt Licht als Fleck. Eine gekreuzte Prägung bricht es in viele Richtungen. Deshalb wirken Saffiano-Oberflächen ruhig, auch im direkten Licht.

Oliventrester: der meistunterschätzte Reststoff Europas

Um zu verstehen, warum Oleatex überhaupt möglich ist, hilft eine Zahl aus der Olivenölproduktion: Aus 100 Kilogramm Oliven werden je nach Sorte und Verfahren rund 20 Kilogramm Öl. Der Rest ist Trester – Schalen, Fruchtfleisch, Kernstücke, versetzt mit Restwasser.

Dieser Trester ist kein Abfall im eigentlichen Sinn, sondern ein Rohstoff, für den es lange nur wenige Abnehmer gab. Er ist feucht, er verdirbt schnell, und er fällt in den Mittelmeerländern saisonal in enormen Mengen an, alle zur selben Zeit.

Dass daraus ein flächiges, vernähbares Material wird, ist vergleichsweise neu. Der Trester wird getrocknet, zerkleinert und zu einer Masse verarbeitet, die auf ein Trägergewebe aufgebracht und anschließend geprägt wird.

Ehrlich dazu: Oleatex ist ein Verbundmaterial. Der Oliventrester ist der Ausgangsstoff, nicht der einzige Bestandteil. Wir nennen es deshalb nicht „veganes Leder" – dieser Begriff suggeriert, es handle sich um Leder, nur ohne Tier. Das ist es nicht. Es ist ein eigenes Material mit eigener Anmutung und eigenen Eigenschaften.

Polylactid: Kunststoff, der aus Zucker entsteht

Die erste Faser unseres Innenfutters heißt Polylactid, kurz PLA. Der Name klingt nach Chemielabor, der Weg dorthin ist aber erstaunlich handfest.

Am Anfang steht Pflanzenzucker. Bakterien vergären ihn – derselbe Vorgang, der aus Milch Joghurt macht und aus Teig Sauerteig. Dabei entsteht Milchsäure. Lässt man viele Milchsäure-Moleküle sich aneinanderreihen, entsteht eine Kette: ein Polymer. Aus diesem Polymer lässt sich ein Faden ziehen, der sich verspinnen und verweben lässt wie jede andere Textilfaser.

PLA ist kein Nischenmaterial. Es steckt in kompostierbaren Kaffeekapseln, in Teebeuteln, im Filament von 3D-Druckern und in resorbierbarem chirurgischem Nahtmaterial – Fäden, die sich im Körper von selbst auflösen. Dass daraus auch Filz werden kann, ist eine vergleichsweise junge Anwendung.

Lyocell: die zweite Faser

Die zweite Faser kommt aus Zellulose, also aus dem Stoff, aus dem pflanzliche Zellwände bestehen. Im Handel begegnet man ihr meist unter Markennamen.

Das Besondere am Lyocell-Verfahren ist das Lösungsmittel: Die Zellulose wird in einem Kreislauf gelöst, der zum ganz überwiegenden Teil zurückgewonnen und wiederverwendet wird. Das war nicht immer so – ältere Verfahren zur Herstellung von Zellulosefasern arbeiteten mit deutlich problematischeren Chemikalien.

Lyocell bringt Eigenschaften mit, die PLA nicht hat: Es nimmt Feuchtigkeit auf und gibt sie wieder ab, und es ist im Griff weicher. Die Mischung der beiden Fasern ergibt einen Filz, der formstabil bleibt und sich trotzdem angenehm anfühlt.

Geöffneter YKK-Reißverschluss der veganen iPad-Hülle ANGUS: Metallzähne, Schieber mit Oleatex-Lasche, dahinter der hellgraue Violan-Filz

Die zwei Materialien nebeneinander

Oleatex und Violan im Vergleich
  Oleatex · außen Violan · innen
Ausgangsstoff Oliventrester aus der Ölmühle Pflanzenzucker und Zellulose
Entsteht durch Trocknen, Zerkleinern, Auftragen, Prägen Vergärung zu Milchsäure, Spinnen, Verfilzen
Oberfläche Saffiano-Kreuzprägung, griffig Wirrfaservlies, matt und weich
Aufgabe Form und Schutz nach außen Polstern, Trennung zum Reißverschluss
Stärke dünn, auf Trägergewebe 3 mm
Pflege feucht abwischen, kein Fett ausbürsten

Was beide verbindet: Ihr Ausgangsstoff ist ein Rest, der vorher keine Verwendung hatte – einmal aus der Ölmühle, einmal aus Pflanzen- und Holzresten.

Warum überhaupt Filz?

Ein Futter hat bei einer Gerätehülle zwei Aufgaben, und beide sind unspektakulär: Es soll polstern, und es soll verhindern, dass das Gerät den Reißverschluss berührt.

Filz kann beides besonders gut, weil er ein Wirrfaservlies ist – die Fasern liegen nicht parallel wie im Gewebe, sondern kreuz und quer. Dadurch federt er in alle Richtungen gleich und franst an Schnittkanten nicht aus. Deshalb braucht Filz keine umgeschlagene Naht, was wiederum Aufbauhöhe spart.

Was daraus in Hamburg wird

Beide Materialien landen in derselben Werkstatt, in der wir seit 2011 arbeiten. Die Form dafür gab es schon: Die ANGUS ist seit Jahren im Programm, bisher aus Leder mit Wollfilz.

Das ist der Grund, warum die vegane Variante kein Experiment ist. Die Schnittmuster liegen vor, die Abläufe sind eingespielt, die Passform ist über Jahre korrigiert worden. Neu sind allein die zwei Materialien.

Genäht wird mit recyceltem Garn. Der Reißverschluss kommt von YKK.

Der Apple Pencil steckt in seiner aufgenähten Lasche aus königsblauem Oleatex am Rand der veganen iPad-Hülle ANGUS

Pflege: was dieses Material braucht und was nicht

Der größte praktische Unterschied zu Leder zeigt sich in der Pflege, und er ist erfreulich: Es gibt fast keine.

Leder lebt davon, dass man es nachfettet, weil die Fette über die Jahre ausgasen und die Fasern sonst spröde werden. Oleatex hat diesen Mechanismus nicht. Es braucht kein Fett, keine Politur, kein Imprägnierspray.

Was hilft: Staub und Handspuren mit einem leicht feuchten Tuch abnehmen, danach trocken nachwischen. Keine Lösungsmittel, kein Alkohol, keine Scheuermittel – die greifen die Prägung an.

Den Filz innen bekommt man mit einer weichen Bürste sauber. Krümel, Sand und Staub sammeln sich vor allem in den Ecken; einmal umdrehen und ausschütteln reicht meistens.

Was das Material nicht mag: dauerhafte Nässe und Hitze. Eine Hülle, die einen Sommertag lang im Auto in der Sonne liegt, ist kein Fall für die Garantie – aber gut tut es keinem Material.

Häufige Fragen

Ist Polylactid ein Kunststoff?

Ja. Es ist ein Polymer, also chemisch betrachtet ein Kunststoff – nur einer, dessen Ausgangsstoff nicht aus Erdöl stammt, sondern aus vergorenem Pflanzenzucker. „Biobasiert" sagt etwas über die Herkunft, nicht automatisch über den Abbau in der Natur.

Ist die Hülle kompostierbar?

Nein. Einzelne Fasern wären unter industriellen Bedingungen abbaubar, das fertige Produkt ist es nicht – es ist vernäht, verklebt und mit Metall versehen. Eine Hülle, die lange hält, ist ohnehin die sinnvollere Rechnung.

Riecht Oleatex nach Olive?

Nein. Vom Ausgangsstoff ist im fertigen Material geruchlich nichts mehr übrig.

Färbt das Material ab?

Nein. Anders als pflanzlich gegerbtes Leder, das in den ersten Wochen bei Nässe abfärben kann, ist die Oberfläche farbstabil.

Gibt es die ANGUS auch aus Leder?

Ja, die ANGUS aus Leder ist baugleich, mit pflanzlich gegerbtem Rindsleder und Merino-Wollfilz.

Zum Schluss

Was in der ANGUS Vegan steckt, lässt sich in einem Satz sagen: zwei Materialien, die aus Pflanzenresten gewonnen werden, verarbeitet in Hamburg, ohne tierische Bestandteile – weder im Außenmaterial noch im Futter noch im Garn.

Alles Übrige – Maße, Größen, was hineinpasst – steht auf der Produktseite.

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